search
top

Wurzeln essen

Manches ist ganz einfach: Essen zum Beispiel. Essen ist für mich eines der wichtigsten Dinge im Leben. Nicht nur weil es lebensnotwendig ist, sondern vor allem weil ich es geniesse gut zu essen. Oder gut zu kochen. Dabei falle ich vermutlich in die Kategorie Hobbykoch. Drei meiner Bekannten – Paul, Paul und Björn – ordne ich eher in die Kategorie Superkoch ein. Sie haben es einfach nur verpasst ihr eigenes Restaurant aufzumachen. Und genau deshalb haben sie vor zwei Jahren das RollinRestaurant erfunden. Eine Art Pop-Up-Restaurant. Nur eine Nacht lang öffnet es, immer an einem neuen Ort. Man meldet sich im Internet an und muss dabei verdammt schnell sein, denn es gibt meist nur rund 30 Plätze und wenn die weg sind, ist das RollinRestaurant – logisch – ausgebucht. Das sorgt auch dafür, dass immer neue Menschen an diesen Abenden zusammenkommen. Und noch etwas vereint sie: sie wissen vorab nicht was es zu essen gibt. Ich finde dieses Konzept klasse und habe die große Ehre bei fast jedem der bisherigen RollinRestaurants dabei gewesen zu sein. Wir aßen mitten in einem Handyladen an Berlins Prachtstraße Unter den Linden, wir genossen an endlos langen Tafeln im BetaHaus oder tranken und schlemmten in einer der besten Bars Berlin, dem Stagger Lee.

Gestern abend war es wieder so weit und Paul, Paul und Björn haben die Kochlöffel geschwungen. Dieses Mal hatten sie das Bebe Rebozo übernommen, eigentlich ein abgefahrenes Steak-Restaurant in der Nähe des Hamburger Bahnhofs. Der Abend stand unter dem Motto ‚Back to the roots‘ und das war wörtlich gemeint: in jedem der sechs Gänge war eine Wurzel enthalten. Der erste Gang brachte uns Hering auf Wurzelmus, Shiitake-Pilze und frischen Meerettich. Dazu natürlich ein Bier, und zwar ein besonderes: ein Fritz Indian Pale Ale. Das Bier war nicht unbedingt meines, aber der Hering: jammjamm. Der zweite Gang war eine geräucherte Sellerieknolle mit Apfel und Trüffel. Eine tolle Geschmackskombi, auch wenn mir der Rauch schon fast einen Tick zu dominant war. Der dritte Gang brachte Winterkabeljau, also Skrej, gepaart mit Artichockenpaste, Topinambur-Kräckern und Kaviar. Sehr lecker! Dazu ein ausgezeichneter Saar-Riesling (Van Volxem 2011).

Als Hauptgang folgte dann ein grandioses Stück Prime Rib mit Karottenmus und Backpflaume. Zum Reinlegen. Ganz großes Kino! Gepaart mit einem fruchtigen 2007er Côtes du Roussillon hätte ich durchaus diesen Gang wiederholen können. Stattdessen versuchte der fünfte Gang uns mit Käse an Pastinaken-Chips auf Brombeeraufstrich zu überzeugen. Optisch sehr ansprechend (vgl. Foto), fand ich diesen Gang am schwächsten. Er erinnerte mich zu sehr an Müsli – und das esse ich dann doch lieber morgens. Als Dessert gab es Rote Beete Sorbet mit etwas Schokolade und Biskuit – geile Idee und auch verdammt gut in der Umsetzung. Das rundete den Abend ganz wunderbar ab.

Alles in allem ein mehr als gelungenes Menü, das ich bei diesem Leitthema so nicht erwartet hatte. Ein hochgradig netter Abend, der schon wieder Lust auf das nächste Mal macht. RollinRestaurant: I`ll be back!

top