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Vorbericht: Arsenal – Dortmund

Am Dienstag steht für mich ein echtes fussballerisches Highlight auf dem Programm: „mein“ Arsenal FC spielt gegen den BVB. In der Gruppenphase der Champions League. Das gabs doch erst? Richtig: 2011 trafen die beiden Teams schon einmal in der gleichen Phase aufeinander. Das Hinspiel in Dortmund ging damals 1:1 aus, das Rückspiel gewannen die Gunners in London mit 2:1.
Doch seither hat sich viel getan. Nicht nur musste Arsenal den damaligen Doppel-Torschützen und Superstürmer Robin van Persie ziehen lassen, vor allem aber hat sich der BVB in der Champions League eingelebt: die letztjährige Finalteilnahme dürfte die letzte Bestätigung dessen gewesen sein.
Eines hingegen hat sich nicht geändert: der gegenseitige Respekt den sich beide Teams zollen. Und damit sind nicht nur die Spieler, sondern auch die Fans und die Trainer gemeint. Arsenal Trainer Wenger lobt Klopp regelmässig in höchsten Tönen und das ist andersrum genau so der Fall. Beide lassen vergleichbaren, attraktiven Angriffsfussball spielen. Beide ergänzen ihre Mannschaft gern mit jungen Spielen aus der eigenen Jugend oder kaufen gezielt Talente ein. Kein Wunder, dass die Arsenal-Fans nach dem Klopp-Kauf von Aubameyang fast einhellig riefen: den hätte früher Wenger gekauft. Doch Wenger hat stattdessen in diesem Sommer Mesut Özil gekauft und damit sein Team eigentlich nur an einer einzigen Stelle ergänzt. Dieser Kauf hat selbst langjährige Fans der Londoner überrascht. Wenger hat damit das erste Mal seit Jahren einen etablierten Superstar gekauft und gleichzeitig den bisherigen Transferrekord um fast das dreifache übertroffen. Arsenals bis dato teuerster Einkauf war der legendäre José Reyes, für den die Gunners gut 17 Mio Euros bezahlten, aber das ist fast genau 10 Jahre her. Wenger hat mit dem Kauf von Özil nicht nur die Ambitionen von Arsenal nach sportlichem Erfolg unterstrichen, sondern vor allem auch deutlich gemacht, dass er an sein bestehendes Team glaubt. Denn es gab nur zwei weitere Neuverpflichtungen im Sommer: den erst 18jährigen Nachwuchs-Stürmer Sanogo und Mathieu Flamini. Beide kamen ablösefrei und Flamini – der schon einmal unter Wenger bei Arsenal spielte – war eher eine Gelegenheit denn eine gezielte Neuverpflichtung.

Zwei ähnliche Spielstile, zwei erfolgshungrige Trainer, zwei Mannschaften, die beide oben in ihrer jeweiligen Meisterschaft mitspielen: ein klares Unentschieden? Ginge man nach den Ergebnissen dieses Wochenendes müsste man klar auf Arsenal wetten. Denn der BVB quälte sich sprichwörtlich zu seinem knappen 1:0 Arbeitssieg gegen Hannover. Dagegen besiegte Arsenal ebenfalls daheim Norwich mit 4:1. Doch das Ergebnis trügt: auch für Arsenal war es ein Arbeitssieg, insbesondere zwischen der 30. und 60. Minute mussten die Londoner reichlich kämpfen. Doch drei Männer sorgten während des Spiels für reichlich Begeisterung. Allen voran wieder einmal Özil selbst, der sich in kürzester Zeit in das Arsenal-System integriert hat und bereits zu einem der Lenker geworden ist. Zwei Treffer gegen Norwich haben das bestätigt. Zum Anderen das Über-Talent Jack Wilshere, der im Mittelfeld ähnliche Akzente setzen kann wie Özil – nur leider bei weitem noch nicht dessen Beständigkeit hat. Dafür Kampfwillen und ein unfassbares Ballgefühl, wie das Tor zum 1:0 eindrucksvoll zeigt:

Zu guter Letzt der walisische Nationalspieler Aaron Ramsey, der in dieser Saison zu Höchstform aufläuft und dabei eine Technik an den Tag legt, die einen zu Entzückungsschreien verleitet. Beispiel gefällig?
Aaron Ramsey

Als Krönung kann der Mann auch Tore schiessen – und was für welche:

Alle drei Beispiele stammen vom Samstag und zeigen eindrucksvoll was die aktuelle Arsenal Mannschaft kann.

Nur sollte sich niemand allzu sicher fühlen, denn der BVB hat am Wochenende eine Eigenschaft gezeigt, die ich gut von früheren Arsenal-Mannschaften kenne: sie haben sich geschont – und trotzdem gewonnen. Und ich gehe davon aus, dass die Dortmunder heiss auf das Spiel sind. Sie wollen auch dieses Jahr in der Champions League weit kommen und die Spiele gegen Arsenal werden darüber bereits entscheiden. Mithin wird es eine andere Borussia am Dienstag in London geben. Und das wiederum macht diese Partie so spannend.

Meine Vermutung für die Aufstellung von Arsenal:

Szczesny (Torwart): der polnische Nationaltorwart ist inzwischen das Rückgrat der Mannschaft, der immer wieder mit überragenden Reflexen agiert. Er hat aber weiterhin Probleme bei hohen Bällen und erlaubt sich in regelmäßigen Abständen völlig unverständliche Aussetzer, die die Fans in den Wahnsinn treiben können.

Sagna (rechter Verteidiger): zuverlässig, schnell, Kopfball- und angriffsstark. Französischer Nationalspieler, der bereits seit 2007 bei Arsenal spielt und mithin zum ‘alten Eisen’ gehört. Marco Reus könnte ihn aber durch seine Flexibilität und Schnelligkeit durchaus einige Probleme bereiten.

Mertesacker (Innenverteidiger): Per hat sich inzwischen sehr gut an den englischen Fussball gewöhnt und ist derzeit sogar häufig Kapitän der Mannschaft, was auch einiges über seinen Stellenwert sagt. Seine größte Kompetenz: ein Spiel zu lesen und vorauszusehen. Und genau darin liegt auch seine Schwäche: bei schnellen, überraschenden Spielzügen sieht er dem Ball entsprechend hinterher. Wiederum eine Chance für den BVB.

Koscielny (Innenverteidiger): Gemeinsam mit Mertesacker bildet er eine eingespielte Innenverteidigung, die die Gegner immer wieder vor große Probleme stellt. Ähnlich wie Mertesacker ist auch er Kopfballstark und kann durchaus selbst Tore schiessen. Lewandowski und Mkhitaryan werden es mit den beiden nicht leicht haben. Größte Schwäche: kleine Konzentrationsprobleme.

Gibbs (linker Verteidiger): Klein, wendig, schnell und sehr aufmerksam. Der junge Engländer ist in den letzten Jahren in dieser Position extrem an den Herausforderungen gewachsen, was jüngst mit einer Berufung in die englische Nationalmannschaft belohnt wurde. Sein Schwachpunkt: nach vorne geht meist zu wenig.

Flamini (Mittelfeld): Der Franzose ist wie beschreiben ebenfalls erst seit dieser Saison wieder im Kader. Tut aber so, als wäre er schon ewig im Team und kommandiert seine Kollegen herum wie ein Feldmarschall – das kommt aber gut an. Beim AC Mailand hat er gelernt durchaus auch sehr körperbetont zu spielen, was dem Arsenal-Mittelfeld gut bekommt. Am Samstag wurde er mit einer leichten Gehirnerschütterung ausgewechselt. Falls er ausfällt, käme wohl der Spanier Arteta zum Einsatz: passsicher, flink und mit der perfekt sitzendsten Fönfrisur aller Premiere League-Spieler.
Update: Flamini fällt tatsächlich aus und Arteta wird übernehmen müssen.

Ramsey (Mittelfeld): Über den Waliser und seine bisherige Saison habe ich oben schon vieles gesagt: auf diesen Mann müssen die Dortmunder ganz besonders aufpassen. Dem gelingt derzeit fast alles.

Özil (Mittelfeld): Der Zauberer wird er von der britischen Presse bereits genannt und bei den Arsenal Fans gilt er als Heilsbringer. Bisher hat er alle Erwartungen erfüllt. Mehr muss zu ihm nicht sagen.

Wilshere (Rechtsaußen): Auch über ihn steht oben schon fast alles zu lesen. Nur noch einmal zur Erinnerung: der Junge ist 21. Wenn er einen guten Tag erwischt: fast nicht aufzuhalten. Falls nicht, kann man ihn fast ignorieren.

Cazorla (Linksaußen): In der letzten Saison einer der Schlüsselspieler bei Arsenal. Kam am Samstag das erste Mal nach sechswöchiger Verletzungspause zum Einsatz. Der Spanier ist taktisch extrem geschult und flexibel in der Raumgestaltung. Unklar ist noch wie sich das Zusammenspiel mit Özil entwickeln wird. Keine leichte Aufgabe für die BVB-Abwehr.

Giroud (Mittelstürmer): der französische Nationalspieler hat sich gewandelt: war er früher hauptsächlich mit dem Kopf gefährlich, spielt er inzwischen viel variabler und ist der laufenden Saison auch ein wichtiger Vorlagen-Geber geworden. Trotzdem immer noch zu berechenbar und mit Problemen bei enger Manndeckung.

Und wie gehts nun aus? ich glaube, dass Arsenal am Ende die Oberhand behalten wird. Vielleicht wird es ähnlich wie 2011: einmal gewinnt Arsenal, einmal gehts Unentschieden aus. Ich freue mich jedenfalls auf zwei hoffentlich sehr attraktive Fußballspiele. Come on you Gunners!

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