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Skyfall – zurück auf Start

Ein neuer James Bond, höchste Zeit mal wieder ins Kino zu gehen. Leider läuft der natürlich wieder nur in ‚großen‘ Kinos. Das impliziert Ärger: in diesem Fall 40 Minuten (!) Werbung vor dem Film. Zudem eine eine Pause in dem 145 Minuten langen Film. Damit man mehr Bier kauft, was inzwischen 4,10 EUR kostet. Ich weiß schon warum ich die Blockbuster-Kinos meide…

Zum Film: seitdem Daniel Craig als James Bond fungiert, hat die Serie einen radikalen Neuanstrich bekommen. So haben wir in ‚Casino Royal‘ den Anfang der James Bond-Karriere aufgezeigt bekommen und in ‚Ein Quantum Trost‘ auch die verletzliche Seite Bonds kennengelernt. Doch auch in diesen beiden Filmen, die zudem durch eine Storyline verbunden waren, ging es um nichts anderes als die Rettung der Welt. Das ist natürlich auch in ‚Skyfall‘ der Aufhänger. Passend zur heutigen Zeit droht ein Cyberterrorist das englische Empire bloß zu stellen. Er veröffentlicht – ganz im Stil von Wikileaks – eine geheime Liste von Agenten, die Undercover in Terror-Netzwerken operieren und lässt über seine Hacker-Kunst auch ganz reale Bomben hoch gehen.

Das kann sich der britische Geheimdienst natürlich nicht gefallen lassen und schickt James Bond auf die Fersen dieses Cyber-Bösewichts, der wunderbar psychopathisch gespielt von Javier Bardem, sicherlich nicht zufällig auch vom Aussehen her Julian Assange ähnelt. Doch auf der Jagd nach ihm endet der Weltretter-Auftrag immer mehr und es wird verdammt persönlich. Bond und M werden mit ihrer Vergangenheit konfrontiert und der Film führt sie bis zurück auf den Familienstammsitz von Bonds Eltern – Skyfall.

145 Minuten Bond und der Film hat fast keine Längen. Denn Regisseur Sam Mendes erzählt sehr dicht und auch die Umkehr im Film vom klassischen Bond zur sehr persönlichen Geschichte, die den kompletten zweiten Teil des Films einnimmt, gelingt sehr gut. Es gibt klassische Action-Szenen, einen Hauch Erotik, gut gerührte Drinks und jede Menge ironischer Seitenhiebe. Dazu eben einen fantastischen Bösewicht. Also alles super? Fast: man muss sich durchaus daran gewöhnen plötzlich mit einer neuen Seite von Bond konfrontiert zu werden. Einem Bond, der weint, einem Bond, der von einem Mann massiv angegraben wird. Das überrascht manchmal, wird aber durch geniale Referenzen auf die ganz alten Bond-Filme wieder gut gemacht. Spätestens wenn klare Referenzen und Gadgets aus den Bond-Klassikern ins Bild kommen, geht ein tatsächliches Jauchzen durchs Kino-Publikum.

Interessant wird jetzt vor allem wie die Bond-Reihe weiter geht, denn Skyfall ist eigentlich der Startschuss hin zum Beginn der Film-Reihe. Die Weichen sind gestellt auf Bond, wie er in den 60er und 70er Jahren dargestellt wurde. Doch das ist schwerlich mit der heutigen Zeit und vor allem dem neuen Bond-Charakter vereinbar. Ein Bruch steht bevor – vielleicht auch mit einem neuen Bond-Darsteller? Ich bin gespannt.

Vorher sollte man diesen Film als sehr gelungenes Puzzle-Teil aber unbedingt anschauen.

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