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Nick Cave live in Berlin

Am 15. Februar 2013 ist das neue Album „Push The Sky Away“ von Nick Cave & The Bad Seeds erschienen. Eine leise CD, aber eine die das Zeug zum Klassiker hat. Auch wenn die Musik eher für dunkle Herbst- und Wintertage geeignet ist und nicht unbedingt für den Frühling. Zwei Tage vor dem Erscheinen der CD hat die Band sie live im Berliner Admiralspalast vorgestellt. In kleinem und gediegenem Rahmen, denn das Ambiente des ehemaligen Theaters ist mit seinen rund 1.500 Plätzen sehr intim – und lässt das Publikum auch gerne dafür bezahlen (kleines Bier für 3,50 und 0,1 Liter Wein für 4,50 EUR zeugen davon). Nick Cave nutzt den Saal dann auch entsprechend und hat neben den Bad Seeds ein Streicherquartett und einen Kinderchor dabei (wobei man bei letztem nur hoffen kann, dass sie die Texte nicht verstehen können).

Der Abend beginnt mit einem Kurzfilm über die Entstehung des neuen Albums in einem alten Herrenhaus in Südfrankreich. Danach spielt die Band dann das komplette Album in genau der Reihenfolge, in der die Songs auch auf der CD zu hören sind. Und obwohl ich die Songs auf der CD sehr gerne mag, kommen gerade der Opener „We No Who ‚U‘ R“ und das nachfolgende „Wide Lovely Eyes“ etwas statisch herüber. Vielleicht liegt es auch daran, dass der inzwischen 55jährige Cave noch immer vor Energie strotzt und man zu Beginn das Gefühl hat als müsse er mit angezogener Handbremse auf der Bühne agieren. Doch spätestens mit dem grandiosen neuen Song „Jubilee Street“ ändert sich das. Nicht nur, dass sich der Song im Tempo beständig steigert – auch Cave scheint großes Gefallen an ihm zu haben. Nennt ihn schon jetzt einen Klassiker – mit Recht. Und so kommen Band und Publikum nun Stück für Stück mehr in Stimmung.

Nach rund einer Stunde sind die neun Songs von „Push The Sky Away“ vorgestellt und es wird Zeit für älteres Material. Und gleich mit „From Her to Eternity“ greifen sie ganz tief in die Archiv-Kiste und Cave wird quasi in Sekundenschnelle zum Derwisch. Eilt über die Bühne, tanzt, spielt mit dem Publikum oder interagiert mit Geiger Warren Ellis. Die Bad Seeds drehen auf, hauen „Jack The Ripper“ und „The Mercy Seat“ raus um dazwischen auch nochmal ruhige Töne zuzulassen – wozu hat man schließlich Streicher und Chor dabei. So sorgen „The Ship Song“ oder „O Children“ zwischendurch für etwas Ruhe. Als uns zur Zugabe dann „Stagger Lee“ entgegen gedröhnt wird, tobt der Saal endgültig. Man wünscht sich noch mindestens eine weitere Stunde dieses kolossalen Mixes aus großen Melodien, temporeichen Riffs und mehr als zweideutigen Texten. Doch Cave hat genug und vertröstet auf die kommende Tour in diesem Jahr. Schliesslich war dies nur ein Promo-Gig, aber was für einer!

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