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Mit Sigur Ros im Zauberwald

Bei Island denke ich immer gern zurück an die dortige grandiose Natur, an die eigenwilligen Menschen und das ganz besondere Licht, welches dort zu sehen ist. Dieses Licht haben Sigur Ros bei ihrem gestrigen Konzert im Tempodrom mitgebracht. Dass es künstlich war und in Form einer LED-Leinwand daher kam, fiel dabei gar nicht auf. Denn vom ersten Klangmoment an, gelang es der Band einen komplett in den Bann zu ziehen. Dafür hatten sie sich auch reichlich Verstärkung mitgebracht – insgesamt 11 Musiker standen auf der Bühne, u.a. auch drei Streicher und drei Blechbläser. Gemeinsam gelang es ihnen den vielschichtigen Sound der Band komplett live und technisch absolut perfekt abzubilden, allein dass war den Besuch des Konzertes wert.

Doch eigentlich muss man den gestrigen Auftritt eher als Gesamtkunstwerk begreifen. Die visuellen Effekte eines Nordlichts brachten uns zum Beginn des Konzertes und zu den Klängen von ‚Yfirbor∂‘ mitten in ihre Heimat Island. In den nächsten 90 Minuten zeigten sie uns die Schönheiten und Schatten ihrer Insel, die dunklen Fjorde, die hellen Felsen und plötzlich rotgefärbte Wälder (wobei es auf Island eigentlich gar keine Wälder mehr gibt). Bedrohlich erschien dies und so war es auch wenig überraschend, dass die Songauswahl entsprechend war. ‚Ný batterí‘ schreckte einen auf und vom neuen, ruhigeren Album ‚Valtari‘ wurden fast gar nichts gespielt. Doch Sigur Ros waren nicht gekommen, um uns deprimieren, sondern um uns mit in ihren Zauberwald zu nehmen. Uns einzubinden in ihre Klangteppiche. Und das gelang ausgezeichnet. Als dann zu ‚Glosoli‘ sogar Feuerwerk auf den Screens zu sehen war, mochte man schon an komplette Versöhnung glauben. Doch als letzten Song vor der Zugabe schleuderte die Band uns einen visuellen apokalyptischen Reiter und das neue Brachialwerk ‚Kveikur‘ entgegen. Ein gelungener Schlußpunkt des ersten Teils.

Die Zugabe bildete drei weitere Songs, die nochmal 30 Minuten Musik mit sich brachten. Dabei war allein die Vorstellung von Sänger und Gitarren-Streicher Jonsi bei ‚Svefn-g-englar‘ schon so grandios, dass der Saal bis zum letzten Ton vor Ehrfurcht schwieg – bevor die rund 4000 Zuschauer in Ekstase ausbrachen. Verdiente Standing Ovations gab es dann nach dem letzten Song ‚Popplagið‘ und ganz brav kam die Band anschliessend noch drei Mal auf die Bühne, um sich zu verabschieden. Gesagt haben sie ausser einem leisen ‚Takk‘ übrigens gar nichts. Aber das musste auch nicht sein: die Musik sprach für sich. Die Berliner waren verzaubert. Ein fantastischer Abend.

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