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e-Books: heute noch Chance, morgen Mainstream

20120106-210001.jpg Seit Jahren wird davon gesprochen, dass das e-Book nun endlich seinen Durchbruch erfahren werde. Doch über Jahre fehlte es dafür an zwei Dingen: an Inhalten und vor allem brauchbaren Lesegeräten. Insbesondere letzteres hat sich im Jahre 2011 signifikant geändert. Durch den Tablet-Boom, ausgelöst durch das iPad, und insbesondere auch durch den Amazon Kindle Reader sind nun endlich Geräte auf dem Markt, die das Lesen eines e-Books tatsächlich zu einem angenehmen Vergnügen machen. Und sie sind nicht nur auf dem Markt, sondern werden auch in Massen gekauft. Amazon hat nach eigenen Angaben im Dezember jede Woche 1 Million Kindle verkauft.

Es ist mithin nur logisch, dass sich gleichzeitig auch der Bedarf an e-Books damit deutlich erhöht. Wer will schon ein Gerät ohne Inhalte? So hat Amazon zB am ersten Weihnachtsfeiertag einen Rekord an e-Book-Downloads vermeldet. Und auch Weltbild vermeldet Rekordzahlen im Weihnachtsgeschäft. Im Vergleich zum stationären Handel mit gedruckten Büchern sind die Zahlen aber weiterhin noch niedrig. Doch mit jedem gekauften Gerät kommt ein neuer e-Book-Konsument hinzu. Und die Verbraucher werden dabei Stück für Stück die Vorzüge des e-Books kennenlernen. Das fängt mit der Zielgruppe Reisende an, die nicht mehr Tonnen von Bücher durch die Welt transportieren – oder sich für zwei vorab entscheiden – müssen. Viel spannender ist aber gerade die Zielgruppe der älteren Leser, die häufig selbst mit Brille die kleingedruckten Bücher nicht mehr lesen können. Durch den Zoom auf den Lesegeräten ist es ihnen plötzlich wieder möglich Bücher zu lesen. Und da die Geräte immer intuitiver werden, schreckt auch die ältere Generation immer seltener vor der Technik zurück.

Interessant ist, dass aber gerade in der Angebotspalette von e-Books derzeit eine Lücke gibt. Zwar sind immer mehr Bücher, insbesondere Neuerscheinungen, bereits als e-Book erhältlich. Doch diese sind meist nur wenige (wenn überhaupt!) Euro günstiger als das gedruckte Buch, dann wohlmöglich noch mit Urheberrechtssoftware geschützt (so dass selbst die Weitergabe zwischen eigenen Geräten unmöglich wird) und stellen nur eine lieblos 1:1-Version des Buches dar. Hier ist der Preis das Problem. Logisch also, das sich zB bei Amazon in den Download-Charts hauptsächlich Bücher im Niedrigstpreissegment finden. Es ist zum Einen das Ausprobieren, zum Anderen aber auch der Unwille 15 EUR für ein e-Book hinzublättern. Das gibt Raum für Experimente wie sie kürzlich Johnny Häusler vom Blog Spreeblick durchgeführt hat. Er hat 15 Kurzgeschichten unter dem Titel ‚I live by the river!“ als reines e-Book zum Preis von 99 Cen veröffentlicht  und ist damit innerhalb kürzester Zeit in fast allen Bestenlisten aufgetaucht. Die genauen Zahlen kann man bei ihm im Blog abrufen. Das beweist: in diesem Niedrigpreissegment ist es derzeit recht einfach erfolgreich zu sein. Jeder, der also eine halbwegs erfolgreiche Webseite führt (gerade spannend im Bereich Special Interest) kann derzeit mit einer e-Book-Veröffentlichung durchaus erfolgreich sein – und der Aufwand ist überschaubar. Immer vorausgesetzt man hat einen passenden Text (oder eben Kurzgeschichten) in der Schublade. Ich bin gespannt, ob das noch mehr Leute versuchen werden – die Chance wäre da.

Gleichzeitig fehlen dem Markt bisher wirklich innovative e-Books, die die Stärke des Mediums ausspielen. Sprich Bücher die durch Animationen, Töne o.ä. angereichert sind (wie zB Yellow Submarine). Hier besteht eine riesige Chance, insbesondere im Bereich Kinderbuch und Fantasy. Und dafür wären Konsumenten garantiert auch bereit höhere Preise zu bezahlen. Man stelle sich nur eine e-Book-Auflage der Harry Potter Reihe vor, in der einem die Magie förmlich in Bild und Ton ins Gesicht springt.

Sobald die Verlage bereit sind Schritte in diese Richtung zu gehen, wird das e-Book immer mehr zum Mainstream werden. Tablets und Lesegeräte werden nicht verschwinden, das e-Book kann jetzt auf diesen Zug perfekt aufspringen. Natürlich bedarf das auch Investitionen, aber ich bin mir sicher der Mut würde sich für Verlage auszahlen. Und wenn die es nicht machen, werden über kurz oder lang die Autoren in Kooperation mit Technikpartnern wie Apple oder Amazon dieses Geschäft selbstständig an sich reissen.

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