search
top

Bier aus dem Wedding

Deutschland gilt als Bier-Land. Ein Land mit unendlich vielen lokalen, regionalen und überregionalen Biersorten. Sprich: man kann aus einer gigantischen Auswahl an unterschiedlichen Sorten wählen. Doch wenn man ehrlich ist, fällt einem plötzlich auf, dass man dann doch fast immer wieder die gleiche Biere trinkt. Egal ob privat, auf der Party oder im Restaurant. Es gibt Pils oder Weizen. Es gibt Becks, Radeberger, Warsteiner. Ab und zu mal ein Trendbier wie Tannenzäpfle oder Augustiner. In Köln trinkt man Kölsch, in Düsseldorf ein Alt und im Pub vielleicht noch ein Guinness. Und dann hört es auch schon langsam auf mit der Biervielfalt. Selbst im Supermarkt findet man nur wenige, große Marken. Und Berlin Bier gibt es eigentlich gar nicht mehr – obwohl es hier früher Hunderte Brauereien gab (und nein: Berliner Pilsener und Schultheiss gehören inzwischen auch zu Radeberger). Das Ergebnis ist eine erstaunliche Konzentration und vor allem ein fast immer gleicher Geschmack: klar das eine Bier ist herber, das andere leichter – aber sonst?

Genau diesem Thema nehmen sich in den letzten Jahren vermehrt Mikro- oder Hausbrauereien an. Kleine Brauereien, die eher für den hausb´gebrauch denn für die große Maße brauen. Und selbst die Selbstbrau-Sets für daheim gewinnen immer mehr Freunde (und erzielen zum Teil erstaunliche Ergebnisse!). Ausgerechnet drei Amerikaner gehen in Berlin nun noch einen ganz anderen Weg. Sie haben die Vagabund Brauerei gegründet, nach eigenen Angaben Berlins erste Community Supported Brewery. Hinter der Idee einer Gemeinschaftsgestützten Brauerei steht der Ansatz, dass die Gemeinschaft beim Bierbrauen mitentscheidet. Welche Sorten sollen gebraut werden, wie viel, wann etc. Für ihre Brauerei mit eigenem Schankraum haben sie sich eine kleine Seitenstraße im Wedding ausgesucht und sind bereits kräftig am Umbauen. Und wie das ist immer so ist, ist das Geld knapp. Und weil es ja um einen Gemeinschaftsansatz geht, haben sie natürlich auch die Gemeinschaft um Unterstützung gebeten – Crowdfunding ist schliesslich das Finanzierungswerkzeug der Stunde.

Da ich das Konzept sehr interessant fand, habe ich mich einfach mal direkt mit den drei Gründern Matt, David und Tom in ihrer zukünftigen Brauerei verabredet und ihnen über die Schulter geblickt. Getroffen habe ich drei absolute Bier-Enthusiasten, die der Überzeugung sind, dass Bier ebenso wie Wein ein Grundnahrungsmittel ist und gerade deshalb auch in verschiedensten Geschmacksrichtungen und Variationen angeboten werden sollte. Und noch etwas stellte sich ganz schnell heraus: die Drei sind absolute „Gemeinschafts-Tiere“. Während unseres Gesprächs kamen beständig Nachbarn aus den umliegenden Straßen vorbei, die sich alle nach dem Fortschritt der Umbauten erkundigten und es kaum erwarten konnten, dass bald ‚ihre‘ Kneipe eröffnet und sie leckeres Bier trinken können. Und lecker ist es tatsächlich, sehr würzig, aber erfrischend. Ein Bier das man gerne trinkt. Und drei Jungs, die mit einem riesigen Enthusiasmus dabei sind. Die sich zudem für jeden Zeit nehmen, mit den Nachbarn bereits jetzt ‚per Du‘ sind und viele Ideen haben wie sie gemeinsam mit dem Kiez um sich herum auch kulturell etwas bewegen können.

Ich jedenfalls bin von dieser Idee begeistert und habe sie mit einem gleichen ‚Investment‘ unterstützt. 7 Tage noch läuft ihre Crowdfunding-Kampagne und noch fehlen ca. 2000 EUR. Vielleicht hast ja auch Du Lust quasi Teilhaber einer kleinen Brauerei zu werden und in Zukunft über leckeres Bier mitzuentscheiden? Oder einfach einen tollen Ort zu unterstützen, in dem es bald leckeres, anderes Bier zu trinken gibt. Hier kann man mitmachen: http://www.startnext.de/vagabund

top